1.Preis Städtebauwettbewerb Gleisdreieck Radolfzell (Mehrfachbeauftragung): Entwurf Barton S-ASS Architekten Stuttgart/Freiburg, Visualisierung LINK3D Matthias Link, Freiburg

Die UNITIS AG in Abstimmung mit der Stadt Radolfzell beabsichtigt am Standort „Gleisdreieck“ in Radolfzell den Neubau von Wohnungen, Gewerbe und den zugehörigen Freianlagen zu entwickeln.

Aus der Mehrfachbeauftragung mit Ideen- und Realisierungsteil erwartet die Ausloberin Vorschläge und Ideen zur inhaltlichen, funktionalen und gestalterischen Neuordnung des ca. 51.326 qm umfassenden Planungsgebiets „Gleisdreieck“ in Radolfzell und der eng damit verflochtenen, angrenzenden Bereiche.

Mit der bauleitplanerischen Steuerung des Prozesses werden aus städtischer Sicht die
folgenden Ziele verfolgt:

  • Die Schaffung von familiengerechtem und bezahlbarem Wohnraum und der Aufbau eines
    neuen Dienstleistungs- und Gewerbestandorts am Gleisdreieck
  • Die Flächenaktivierung und Nachnutzung im Sinne einer baulichen Nachverdichtung
  • Die Sicherstellung der Nahversorgung für die östliche Kernstadt
  • Die städtebauliche Aufwertung und Nutzbarmachung für die Öffentlichkeit
  • Die integrierte Anbindung des Areals an die Kernstadt.

1.Preis Städtebauwettbewerb Gleisdreieck Radolfzell, Beurteilung durch das Preisgericht:

Die Größe des zu bebauenden Feldes macht eine eigenständige Grundfigur innerhalb der Gesamtstadt möglich. Das Gleisdreieck wird leicht in der Grundfigur der neuen Siedlung erkennbar. Geschickt werden zur Bahn hin Ränder aufgebaut, die sich nach Innen auflösen. Es entstehen dadurch räumlich gut geschnittene Höfe bzw. Hausgruppen, die Nachbarschaft versprechen. Das neue Quartier wendet sich mit seiner Mitte der Stadt und der Konstanzer Straße zu.

Die Fahrerschließung über den Libellenweg endet an einem Parkhaus mit Zugang zur Bahn und ist Auftakt für eine räumlich gut geschnittene Quartierlängsachse. Im Süden wird im Ideenteil mit direkter Anbindung an die Günther-Neurohr Brücke ein zweites Parkierungsbauwerk vorgeschlagen. Ein reines Parkierungsbauwerk wird diesem Standort jedoch nicht gerecht. Dadurch ist das Quartier weitgehend fahrverkehrsfrei. Trotzdem sind alle Gebäude für alle Verkehrsfahrten erreichbar bei deutlich reduziertem Verkehr.

Die vorgeschlagenen Wohnformen und Gebäudetypen rahmen überschaubare Quartiers- und Grünräume, die gemeinschaftlich genutzt werden. Die herausgearbeitete Grüne Mitte ist gut proportioniert und bietet einen attraktiven Freiraum als zentralen Treffpunkt im Quartier. Positiv wird die Adressierung der Gebäude von der inneren Erschließungsachse bewertet. Es entsteht ein belebter öffentlicher Raum, in dem sich nachbarschaftliche Begegnungen wie selbstverständlich ergeben. Essentiell für diese Qualität ist dabei, dass es durch den Erschließungsverkehr nicht zu Störungen kommt.

Die privaten Freiräume sind angemessen und richtig dimensioniert und ermöglichen eine qualitätvolle Nutzung in den Erdgeschosszonen. Die Anbindung der grünen Mitte nach Westen Richtung Innenstadt hat noch nicht die starke Prägung die hier gewünscht ist.

Die vorgeschlagenen Wohnformen sind zeitgemäß. Der Schallschutz sollte jedoch nicht zu langen Laubengängen führen. Positiv werden die Punkthäuser gesehen, die auch bei geringer Geschosszahl Aufzüge vorsehen. Eine wirtschaftliche Ausnutzung der Flächen ist gegeben.

Diskutiert wird bei der Arbeit 1102 der Standort des Parkhauses am Libellenweg im Übergang zur Bestandsbebauung. Die angebotenen Kapazitäten reichen noch nicht. Ein Maßstabssprung zur kleinteiligen Wohnbebauung im Norden wäre zu vermeiden Das Würfelhaus mit der attraktiven Nutzung an der Haltestelle wird jedoch begrüßt.
Insgesamt überzeugt die Arbeit als ein sehr guter Beitrag zur gestellten Aufgabe.

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